Bei beebuzz media haben Fabien Roehlinger, Stefan Möllenhoff, ich, unsere vormals getrennten Redaktions-Teams und viele Menschen mehr aus zwei Redaktionen eine gemeinsame gemacht. Klar, dass wir Synergieeffekte nutzen wollen und die Herausforderung in einem Multi-Brand- und internationalen Verlag liegen.
Die KI hilft und reißt woanders das Geschaffene ein
Doch kann uns die KI dabei helfen? Ja, klar. Wir haben monatelang gearbeitet, um unsere Produktion durch und mit KI zu beschleunigen, zu verbessern und Prozessschritte zu verschlanken.
Und jetzt? Tja, die KI macht KI-Dinge und Big Tech macht Big-Tech-Dinge:
- Grok leistet einen inakzeptablen Beitrag zum öffentlichen Diskurs.
- Google schneidet mit den AIOs weltweit Publishern den Traffic ab.
- Perplexity bringt einen neuen KI-Browser auf den Markt.
- OpenAI zeigt seine neuen Assistenten.
- DuckDuckGo führt einen KI-Bildfilter ein.
- Google verhindert die Monetarisierung von KI-Videos auf YouTube und straft wohl KI-Inhalte in der Suche ab.
- Google führt KI-Zusammenfassungen bei Discover ein.
All die Neuigkeiten zeigen eines deutlich: Der Kampf um die Informationshoheit ist in eine neue Stufe eingetreten. Denn es geht nicht mehr darum, wer den besten Inhalt liefert. Es geht nicht mehr darum, wer schnell und präzise berichtet. Es geht darum, dass Medien die Distributionshoheit geraubt wird.
Medien verkommen aktuell im Netz zu Lieferanten der KIs der Plattform-Herrscher. Die meisten Menschen sahen die Produktion von Inhalten in Gefahr. Redakteure bibberten vor LLMs und Bild- sowie Videogeneratoren, die ihre Jobs stehlen könnten. Doch dem ist nicht so. Google, Apple und Co. wollen gar nicht, dass Medienschaffende aufhören, hochwertigen Content zu erstellen. Sonst würde man KI-generierte Inhalte ja nicht abstrafen. Nein, es geht um die Distribution. Die Frage ist also: Wer kauft dem Zeitungsjungen noch eine Zeitung ab, wenn er schon alle Artikel kurz und knapp zusammengefasst ausplaudert? Natürlich niemand.
Die KI kostet Redakteuren nicht ihre Jobs - sie ist nur das Werkzeug dazu
Kommen wir endlich zum Punkt. Die KI kostet Redakteuren nicht ihre Jobs dadurch, dass sie die Arbeitsleistung ersetzt. Sie kostet die Jobs viel schleichender. Wenn durch den Wegfall von Traffic, durch den Diebstahl von Informationen durch die KIs, eine ganze Branche ausgeraubt wird, wird sie sich nicht lange am Leben halten können. Und damit gehen die ganzen schönen Arbeitsplätze flöten. Wie kann man das verhindern?
- Man passt sich an: Verlage müssen in Zukunft neue Wege finden, um an Geld zu kommen und die Möglichkeiten, die die neuen Distributions-Herren bieten, ausnutzen. Beispiel: kinderzeitmaschine.de rangiert vor Wikipedia, DWDS, Focus und Co. in der KI-Zusammenfassung bei Google beim Suchbegriff Renaissance.
- Der Staat schiebt dem Ganzen einen Riegel vor und wir führen Regeln ein, die diese Entwicklung verhindern oder zugunsten der heimischen Verlage verändern. Eine Idee: Wie bei Patenten, die den Schutz von geistigem Eigentum garantieren, dürfen Artikel, Videos, Podcasts und Co. erst nach einer gewissen Zeit von der KI verarbeitet werden.
- Gar nicht: Die KI setzt sich durch und vernichtet immer mehr privatwirtschaftliche Verlage, bis ihr die Quellen ausgehen. Dystopisch, aber denkbar.
- Der Markt regelt im positiven Sinne: Informationskonsumenten richten sich wieder ihr Internet ein wie vor 20 Jahren. Newsletter, Bookmarks auf die wichtigsten Seiten, RSS-Feeds und Co. erleben eine Renaissance und dezentrale Verbreitungswege führen zu einer Abkehr von den aktuellen Gatekeepern.
Fazit
Die Verlage nicht nur in Deutschland stehen vor einer großen Herausforderung, die viele Opfer fordern wird. Doch wir werden Lösungen finden. Wie immer, kann man sagen. Wenn wir als Gesellschaft es schaffen, ein bisschen 2 und 4 zu ermöglichen, werden Verlage das 1 schon hinbekommen. Es ist also nichts verloren, aber wir sollten uns dem Ernst der Lage bewusst sein.
PS: Ich habe das Thema allgemeine KI außen vor gelassen, weil ich denke, es wird noch eine Zeit brauchen, bis wir einer solchen Superintelligenz gegenüberstehen. Wenn es so weit ist, haben wir uns aber als Gesellschaft hoffentlich gut vorbereitet und wissen, womit wir es dann zu tun haben. Wenn nicht, ist es sowieso egal - denn dann haben wir die Kontrolle ohnehin verloren.
PPS: Das Bild ist KI-generiert. Mir ist die Ironie bewusst. Der Text wurde ohne künstliche Intelligenz erstellt.